[FEATURE] Wurmstichige New 52

mrmindImmer wieder lässt mich die New 52 mit nem sauren Aufstoßen zurück. Genau das passierte im letzten Sommer als in den Justice League Heften die Shazam Backups starteten. Billy Batson war ein unfassbares Arschlochkind, der Zauberer, von dem er seine Kräfte bekam, ein australischer Zauselbart, Dr. Sivana ein stattlicher, kräftiger Mann im besten Alter und Talking Tawny ein Tiger im Zoo. Shazam langweilte mich ungemein, weil alles Gute, was dieses doch etwas cheesige Universum so besonders machte nicht mehr vorhanden war. Und hat sich das geändert?

Dann kam das großartige Finale in Justice League #21. Shazams finale Auseinandersetzung mit Black Adam. Seine Waisen-Brüder und -Schwestern bekamen ebenfalls Shazam-Kräfte, was uns auf einem Schlag 6 magische Kämpfer beschert. Sivana wurde vom Kampf dabei so ausgemergelt, dass er sich alt und schrumpelig zurückgelassen fand. Als er im Anschluss dann in die Räumlichkeiten des Councils of Wizards eindrang, machte er Bekanntschaft mit einem uralten Charakter, einer festen „Größe“ (tihihi) des Captain Marvel Universums: Mr. Mind.

Obwohl die New 52 sich seit jeher als sehr ernst und düster präsentiert, lässt DC dennoch zu, dass ein so abstruser Charakter wie Mr. Mind Einzug in diese Welt findet. Ich meine, Mr. Mind ist eine Raupe, die mit telepathischen Kräften ausgestattet ist. Eine Raupe. Eine Raupe in der Größe von wenigen Zentimetern. Und trotzdem war diese Raupe einer der gefährlichsten Schurken des alten DCUs.

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Seinen allerersten Auftritt hatte Mr. Mind bereits in den 1940er Jahren in der ersten Captain Marvel Serie. Damals versuchte Fawcett ein Gegenangebot zum sehr erfolgreichen Superman zu schaffen. Und wie es damals für viele Comic Helden typisch war, kämpfte auch Captain Marvel gegen Nazis und die bösen Achsenmächte. Alles passierte sehr klischeehaft und wenn man die Geschichten aus heutiger Sicht liest, bleibt ein deutlich bitterer Nachgeschmack zurück. Die Darstellung vieler Figuren ist sehr stereotyp, wenn man es hart ausdrücken möchte sogar rassistisch. Damals hatten die Bürger Amerikas aber keinen Begriff dafür, wie Menschen auf dem afrikanischen Kontinent aussehen oder leben. Für sie waren Afrikaner eben halbnackte Kannibalen mit riesigen Lippen und einem Knochen im Haar. Auch deutsche Wehrmachtführer wie Goering oder Hitler wurden unverholen in den Comics dargestellt. Mehr noch, beide arbeiten eng mit Mr. Mind zusammen. Hitler wird aber wiederholt als unfähiger Trottel dargestellt und bekommt auch kräftig von Captain Marvel aufs Maul. So bediente Captain Marvel bereits damals die Vorstellungen der amerikanischen Bevölkerung von der restlichen Welt, überforderte diese aber nicht mit unnötiger Realität. Jeder Superheld, der damals etwas auf sich hielt, bekam seinen Kampf gegen den Führer und Panels, in denen er von den fliegenden Supermännern vertrimmt wurde, waren an der Tagesordnung. Das alles sollte man mit dem gewissen Abstand betrachten, der sich zwischen der heutigen, aufgeklärten und der damaligen etwas ungebildeten und leichtgläubigen Gesellschaft befindet. Diese Motive darf man dazu nutzen, sich zu merken, wie man andere Menschen NICHT darstellt und behandelt.

monstermindIn den 1970ern wurde Captain Marvel und sein Katalog an Gegenspielern Teil des DC-Verlags. Eine tragende Rolle hatte der Wurmling in DCs wöchentlicher Mega-Serie „52“, an deren Ende er mehr oder weniger das neue Multiverse auspupste. In den folgenden Jahren ärgerte er einmal zu oft den Zeitreisenden Zukunftshelden Booster Gold, der nach ca. 60 Jahren endlich das machte, was so viele andere vor ihm nie geschafft hatten: Er zertrat die Raupe und lies nur einen kleinen grünen Matschfleck zurück.

Mr. Mind jetzt tatsächlich in der New 52 zu haben, erstaunt mich sehr. Immerhin passt dieser sehr abstrakte Charakter nicht in das sonst so auf Düsternis und Ernsthaftigkeit geprägte neue Universum. Ein kleines bisschen keimt in mir die Hoffnung, dass man sich von Seiten der Autoren auch zukünftig mehr auf lustige oder skurille Figuren stürzt und sie in der New 52 modern interpretiert. Wenn ich mir aber Grant Morrisons Version von Mr. Myxzptlk anschaue, wird mir klar, dass das auch schief gehen kann.

Die Zeit wird zeigen, inwiefern sich die New 52 noch verändern kann. Wenn DC mit einer Sache Probleme hat, dann mit ihrem Durchhaltevermögen. Umso erstaunlicher ist es, dass die New 52 im September in ihren zweiten Jahrgang gehen wird. Lustigerweise ist dies ungefähr die Zeit, die ich DC gegeben hatte, bis sie wieder zur alten Kontinuität zurückkehren würden. Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als würde man dies planen. Dazu sprechen die derzeitig steigenden Verkaufszahlen eine andere Sprache!

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