[FEATURE] Die Faszination des Hässlichen

hasslichIch bin zwar in den 1980ern geboren, wirklich aufgewachsen bin ich aber in den 1990ern. Somit habe ich auch das Fernsehprogramm dieses Jahrzehnts erlebt. Während viele Leute in meinem Alter heute von Serien wie „Saber Rider“ oder „Thundercats“ schwärmen, bin ich nach wie vor verwundert, dass diese Meilensteine des Kinder-TVs so konsequent an mir vorbeigehen konnten. Ich habe dafür die Serien des Senders Nickelodeon genossen. Und die waren ganz schön hässlich.

Mein erster Kontakt mit Nickelodeon fand statt, als der Sender noch gar nicht richtig lief. Ein anderer Sender hatte gerade Platz gemacht und auf dem Kabelplatz, wo der amerikanische Zeichentrick-Sender starten sollte, liefen bereits kurze Ausschnitte des kommenden Programms. Am häufigsten sah ich dort eine Folge von „Rockos Modernes Leben“, eine Serie über ein in den Vereinigsten Staaten lebendes Känguru, dass in dieser Episode mit seinem besten Kumpel, einem gelben Stier mir grünen Haaren, auf den Rummelplatz ging und dort groteske Abenteuer erlebte. In dieser Folge zogen sich die Gesichter der Figuren von ihren Schädeln als sie in der Achterbahn fuhren, sie wurden zermatsch, zerquetscht und was weiß ich noch alles. Und ich liebte es. Das gesamte Nickelodeon Programm sollte anders werden als das, was ich von anderen Sendern kannte: „Aah Monster“ brachte eine Schulklasse von… ähm… Monstern auf den Schirm, die das Erschrecken von Menschen erst lernen sollten und dabei irre Abenteuer erlebten. Und selbst „Rocko“ wurde noch heftiger, wenn zum Beispiel Riesen Riesen Big Man — der Superheld dieser Welt — den Figuren seine „Brustwarzen der Zukunft“ überstülpte oder Comic-Fans bei der Autogrammstunde die Arme ausriss. Der Höhepunkt war aber zweifelsohne „Ren & Stimpy“, die Serie über eine Katze und einen Chihuahua, die zusammen wohnten und in jeder Episode Dinge erlebten, die mit der Zeit so ekelig und abstoßend wurden, dass selbst Nickelodeon sich weigerte, die Sendung weiter auszustrahlen.

rockosmodernlifeWeitere Serien dieser Art waren die „X-Ducks“, die bei SuperRTL liefen. Dies war eine französische Serie, die ein ähnliches Konzept verfolgte. Zwei Enten gingen Extrem-Sportarten nach und wurde dabei zerteilt, zermatscht, etc. Und auch ansonsten waren sie hässlich und dumm. Auf Nickelodeon starteten später die „Bieber Brüder“. Diese Serie handelte nicht von dem Jugendlichen Popsänger und seinen Geschwistern, sondern zwei Biebern, die ebenfalls sehr skurril durch ihre Welt zogen. Allerdings war der Humor dieser Serie wesentlich genialer als der abgefahrene Look. Ebenfalls bei Nickelodeon lief „Catdog“, wo es um ein Lebenwesen ging, das halb Katze, halb Hund war. Bzw waren die jeweils vorderen Hälften beider Tierarten in der Mitte verbunden und beide Enden hatten eigene Persönlichkeiten. Da war dann selbst für mich das Maß an Skurrilität überschritten. „Catdog“ habe ich nicht mehr gesehen.

Aber auch heute gibt es Serien, die in diese Kerbe schlagen. Der Dauerbrenner „Spongebob Schwammkopf“ gilt als geistiger Nachfolger von „Ren & Stimpy“, was man besonders in den ersten paar Staffeln der Serie besonders gut sehen kann. Und wieder bei Nickelodeon lief dann „KatzeKratz“, in der das Zusammenleben von 3 sehr unterschiedlichen, reichen Katzen gezeigt wurde. Viele aktuelle TV-Serien bekomme ich durch meine TV-Abstinenz schon gar nicht mehr mit.

Das Titelbild dieses Artikels stammt übrigens aus der aktuellen „Mickey Mouse“ Comic-Serie, die wiederum auf der aktuellsten TV-Serie basiert. Und auch hier finden wir das Konzept der Hässlichkeit wieder. Besonders Goofy wird als geistig und körperlich Behinderter gezeigt. Bei den DC Nation Clips, die bei Cartoon Network rauf und runter laufen, finden wir ebenfalls hässliche Figuren.

Warum fahren Kinder so auf Hässlichkeiten ab? Was ist so anziehend an skurrilen oder grotesken Zeichentrickserien? Ich kann es nicht sagen. Ich weiß auch nicht, warum ich diese Sendungen damals geschaut habe. Heutzutage mit fast 30 Jahren stoßen mich so gut wie alle Folgen von „Ren & Stimpy“ komplett ab. Wenn überhaupt läuft diese Serie und „Rocko“ noch im Nachtprogramm bei verschiedenen Sendern der MTV-Gruppe. Aus gutem Grund. Schon damals waren sie nicht wirklich kindgerecht. Damals war es unseren Eltern weitestgehend egal, was wir guckten. All diese Serien guckte ich mit Genuss, weil man mich lies. Niemand überprüfte, womit ich mir den ganzen Tag die Birne zuballerte. Meine Eltern gingen arbeiten oder waren außer Haus, ich saß nach der Schule oder am Wochenende vor der Glotze und verbrannte mein Gehirn mit schlimm-bösen Serien. Vielleicht war ich gelangweilt von Heidi, Wicki, Biena Maja, Sesamstraße oder was auch immer.

Als Schlussparole dieses Artikels kann ich nur festhalten, dass man genau überprüfen sollte, was seine Kinder konsumieren. Am besten schaut man mit seinen Kindern zusammen fern um im Zweifelsfall mit ihnen über verstörende Szenen oder andere Fragen reden zu können. Denn nichts verdirbt ein Kind mehr als nicht aufgearbeitete Traumata, die von abstrusen und gruseligen Bildern im Fernsehen ausgelöst werden.

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